Fediverse Shorts for Beginners: Pt 1: The Free Interconected Social Media
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Die Untergangsspirale brechen
Während die Pandemie fortschreitet, ist das Verweilen in den sozialen Medien nicht angenehmer geworden. Der Umgangston hat sich verschärft, die Wogen gehen ständig hoch und man wird den Eindruck nicht los, dass manche Leute das Mass völlig verloren haben.
Ich teile die Ansicht von Reda el Arbi im Blogpost Dieser «Spaltung der Gesellschaft»-Bullshit, dass es eine Minderheit ist, die die Diskussion bestimmt, weil sie sich pausenlos und immer extremer äussert.
Allerdings sehe ich auch Leute, die sich geistig in gefährliche Kaninchenbauten verkrochen haben. Das hier ist ein solches Beispiel:
Klare Worte. Geht das schon unter #Gefährder? @fedpolCH #Covidioten pic.twitter.com/rR8WxSUsyA
— Covidioten (@CovidiotenCH) September 9, 2021
Hier eine interessante Einschätzung vom bekannten forensischen Psychiater Frank Urbaniok dazu. Daraus zwei Zitate:
Das Statement enthält eher «passive Drohungen» (würde sich freuen, wenn andere … würde (erst) selbst reagieren, wenn seine Kinder angegriffen würden) – ist aber nur ein Element einer Analyse. 5. Es ist schlecht, wenn solche Leute durch Agitatoren weiter aufgehetzt werden.
Und:
Es schadet der Demokratie und ist gefährlich, wenn Politiker und andere öffentliche Person in den sozialen Medien hemmungslos diffamiert, beschimpft, bedroht und damit zur Zielscheibe gemacht werden.
Gedankenlose, fahrlässige und ignorante Postings
Das bringt das Problem auf den Punkt. Die sozialen Medien drehen ständig an der Spirale. Das Resultat ist sichtbar: Und auch wenn es, wie oben erwähnt, nur eine Minderheit ist, so ist es trotzdem erschreckend, dass es in manchen Kreisen anscheinend völlig salonfähig geworden ist, Politiker als «Problem» darzustellen, das notfalls mit Gewalt beseitigt werden darf und muss.
[caption id=“attachment_18139″ align=“alignright“ width=“176″] Wie die vielen ablehnenden Kommentare zeigen, kommen solche Nazivergleiche auch von Leuten, die längst nicht in eine Schwurbler-Bubble abgedriftet sind.[/caption]
An dieser Eskalation beteiligen sich auch Leute, die es besser wissen müssten – mit Posts, die der Sache in keinster Weise dienlich sind. Da postet einer auf Facebook die Abbildung eines Gesundheitspasses aus dem dritten Reich und schreibt dazu «Nur so zur Erinnerung. (Ich ziehe hiermit keinen direkten Vergleich!)»
Es tut mir leid, aber genau das tut er natürlich. Er fügt der Reihe der unsinnigen Nazivergleiche (siehe hier und hier) einen weiteren hinzu und stellt die Massnahmen gegen die Pandemie, die keinerlei Zwang beinhalten, auf die gleiche Stufe mit der Medizin im dritten Reich, die insbesondere Zwangssterilisationen legitimiert hat.
Wie man so etwas tun kann, wenn man – wie der Autor schreibt – Eltern hat, die unter Mussolini aufgewachsen sind, entzieht sich meinem Verständnis.
Dieser Vergleich lässt sich auch mit dem häufig bemühten Wort, man müsse den Anfängen wehren, nicht legitimieren. Er macht nämlich das Gegenteil von dem, was er vorgibt: Er reisst die Naziverbrechen aus dem Zusammenhang und entwertet die Erinnerung daran. Und genau das erhöht die Gefahr, dass sie sich wiederholen.
Wenn Amateure an rhetorischen Kniffen scheitern
Polemik, Provokation und Übertreibung sind schöne rhetorische Mittel, die man effektiv einsetzen kann. Aber es braucht Verantwortungsbewusstsein und auch ein Können, diese Mittel richtig einzusetzen.
Was wir derzeit erleben, ist eine Überbeanspruchung dieser Methoden durch Brandstifter und Amateure, die meines Erachtens auch meistens überhaupt nicht in der Lage sind, zwischen einer faktischen Aussage und einem rhetorischen Mittel zu unterscheiden. Wenn Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher in der NZZ todernst verkündet, der Bund habe eine Diktatur eingeführt und ihr das hinterher tausendfach nachgebetet wird, dann ist das eben keine Rhetorik mehr, sondern eine Beschädigung der Demokratie.
Ich habe früher gern auch mit völlig überzogenen Vergleichen operiert – einfach, weil es Spass macht und oft auch erhellend ist. Dieses Stilmittel werde ich mir wohl ans Bein streichen müssen.
Es gehört zu den Opfern der Pandemie, genauso, wie der einstmals positiv besetzte Begriff des Querdenkers. Wenn wir eine Chance haben wollen, die sozialen Medien wieder zu de-eskalieren und die Sachlichkeit zurückzubringen, dann müssen wir vorexerzieren, dass Dinge genauso gemeint sind, wie wir sie schreiben oder sagen – und ein Covid-Zertifikat eben nicht 𝔊𝔢𝔰𝔲𝔫𝔡𝔥𝔢𝔦𝔱𝔰𝔭𝔞𝔰𝔰 nennen, nur weil damit unser Unwohlsein mit diesem Instrument so schön zur Geltung kommt.
Die Schwurbler freundlich auf ihre Medien-Inkompetenz hinweisen
Ich denke, wir müssen noch ein paar Dinge mehr tun. Meine Erfahrung aus vielen sozialmedialen Diskussionen mit Skeptikern, Corona-Leugnern, Impfgegnern und Schwurblern hat mir gezeigt, dass es bei manchen mit der Medienkompetenz nicht weit her ist. Diese Trugschlüsse sind mir am häufigsten begegnet:
Diese Punkte lassen sich in der Diskussion ansprechen. Und ja, manchmal wirkt man oberlehrerhaft dabei, und man fühlt sich höchst unwohl in dieser Rolle. Aber es ist sinnvoll, die Diskussion weg von den vermeintlichen Fakten auf diese Meta-Ebene zu lenken und den Leuten ihre Methode zu reflektieren. Bei manchen habe ich auch schon die Vermutung in den Raum gestellt, dass sie ein Doomscrolling-Opfer sind – so nennt man Phänomen, wenn Leute von schlechten Nachrichten gar nicht mehr genug bekommen können. Ob es hilft? Ich weiss es nicht. Aber es scheint mir einen Versuch wert.
Beitragsbild: Sie scheint eine Massnahmenkritikerin und Impfgegnerin zu sein (Noelle Rebekah, Unsplash-Lizenz).
#Corona #Evergreen #Facebook #SozialeMedien
Vergangenes Jahr schrieb ich meinen vorerst letzten Beitrag hier auf dem Blog. Ich hatte fast schon vergessen, was zu diesem Blog geführt hat. Doch nachdem ich mir den ersten Beitrag vom 23. Mai 2013 wieder ins Gedächtnis rief, wurde mir einiges klar.
Tatsächlich bin ich mir gar nicht sicher, ob das wirklich der erste Beitrag war. Wenn ich mich recht entsinne, entstand diese Seite hier […]
https://www.meskasblog.de/?p=10538
#facebook #instagram #persoenlicheEntwicklung #sozialeMedien

Chats und Communitys
Chaträume für ehemalige Userinnen und User findet ihr hier:
[…]
#Dialogstadt #Facebook #Telegram
Link: https://dialogstadt.de/zvsa · Homepage: dialogstadt.de
BigBrotherAwards 2011: Facebook Laudatio (Teil 1 von 2)
https://digitalcourage.video/w/pWB26XEQKp4L1W7VkiMMiw
SSL Root Certificates: Be Careful! How They Exploit You & Latest
https://tube.tchncs.de/w/iuFRansrMCkg7PNeWPadYv
Zensur zum Schutz der Meinungsfreiheit – und anderer Facebook-Unsinn
Neulich hatte ich eine Diskussion auf Facebook, die sich im weitesten Sinn um die Frage nach der Zensur in den sozialen Medien gedreht hat.
Diese Diskussion hat sich – wie häufig auf Facebook, im Kreis gedreht. Godwin’s law hat sich einmal mehr bewahrheitet. Diese Regel besagt, dass bei Diskussionen im Internet früher oder später ein Nazi-Vergleich erfolgt. In diesem Fall kam dieser Vergleich schon ganz am Anfang: Meine kleiner, spöttischer Beitrag hier, der sich mit dem Twitter-Output von Weltwoche-Chef und Nationalrat Roger Köppel beschäftigt, wurde mit folgenden Worten kommentiert:
Beginn eines Denunziantentums? Schöne neue Welt wie in der dunkelsten Zeit Deutschlands.
Nun, mit diesem Zitat dürfte auch schon deutlich werden, warum sich die anschliessende Diskussion nichts Vernünftiges hervorgebracht hat: Denn wenn eine kleine Glosse, die keinerlei inkriminierende Informationen über den Herrn Chefredaktor und Nationalrat enthält, gleichgesetzt wird mit dem Verrat an Juden, die in der Folge Ihres Besitzes beraubt und mit grosser Wahrscheinlichkeit in einem Vernichtungslager gelandet sind, dann ist das haarsträubend.
Und es ist beschämend für Leute, die derartigen Unfug von sich geben – und das in der gleichen Woche, in der viele Menschen der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau gedachten. 76 Jahre ist es her, seit am 27. Januar 1945 die Rote Armee dafür gesorgt hat, dass keine Menschen mehr mit industriellen Methoden um ihr Leben gebracht worden sind.
Lohnt es sich, sich aufzuregen?
Es bleibt die Frage, ob es sich lohnt, sich darüber aufzuregen. Ich bin mir unschlüssig. Einerseits finde ich, dass solche Aussagen nicht unkommentiert bleiben dürfen. Wir müssen alle gegen die Relativierung des Holocausts angehen. Es kann nicht angehen, die Nazi-Gräuel derartig aus dem Kontext zu reissen und zu verharmlosen. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer und es spielt den Leuten in die Hände, die solches Gedankengut wieder salonfähig machen wollen.
Trotzdem würde ich in vorliegenden Fall vermuten, dass diese Aussagen einfach so dahergesagt waren. Die Widersprüche, die während der Diskussion aufgetreten sind, waren eklatant. So wollte die Frau, die diesen Streit angezettelt hatte, mir allen Ernstes verbieten, hier im Blog darüber zu berichten. Ich müsse sie im vollen Wortlaut zitieren, sonst würde Sie mir einen solchen Beitrag nicht gestatten.
Das war hochgradig paradox. Der ursprüngliche Streit drehte sich um den Vorwurf, ich würde die Meinungsfreiheit gefährden: Mein Blogpost würde – wegen Twitter-Chef Jack Dorseys Abneigung gegen gewisse politische Tweets und aufgrund neuer, geheimnisvoller KI-Mechanismen – dazu führen, dass Leute wie Köppel von Twitter verbannt werden. Mit anderen Worten: Die Frau propagiert Zensur zum Schutz der Meinungsfreiheit. Diesen Spagat muss man erst einmal hinbekommen.
Aber, um ihren Wunsch dennoch zu erfüllen, verweise ich hier auf den öffentlichen Post bei Facebook, wo jeder, der sich das antun mag, die ganze Argumentation in voller Länge nachlesen kann.
An dieser Stelle geht es mir jedoch um etwas anderes. Die Frage, wie soziale Medien mit der Meinungsfreiheit umgehen sollen und wo die Grenzen zu setzen sind, ist nicht nur berechtigt, sondern überaus wichtig. Ich setze mich für gewisse Grenzen ein.
Der Rausschmiss ist nachvollziehbar
Ich habe im Nachgang der Stürmung des Kapitols in Washington die Sperre von Trump auf Twitter und Facebook begrüsst: Trump hatte damals als US-Präsident jederzeit die Möglichkeit, sich an die Medien zu wenden und via Fernsehen seine Meinung zu transportieren. Hierzulande wurde Kantonsrat Claudio Schmid gesperrt. Wenn man seine Äusserungen im Detail ansieht, ist auch dieser Rausschmiss nachvollziehbar.
Denn meine Überzeugung ist, dass Hass keine Meinung ist. Und ja, klar, selbst Agitation muss in einem demokratischen System erlaubt sein. Doch wenn einer auf die Weise zündelt, wie es Trump getan hat – und wie es viele andere Rechtsaussen tun, dann sollten die grossen Plattformen dem ein Ende setzen.
Nun verstehe ich auch, dass es Twitter-Chef Jack Dorsey nicht wohl dabei ist, wenn er entscheiden sollte, wo die Grenzen denn genau verlaufen sollen. Ich würde mir diese Verantwortung auch nicht ans Bein binden wollen. Und die Probleme aus demokratischer Sicht sind riesig.
Zwar lebt auch das klassische Mediensystem von Gatekeepern, die bestimmen, welche Nachrichten veröffentlicht werden und welche nicht. Sie machen einen Faktencheck und halten den gröbsten Unfug fern. Doch weil in einem pluralistischen Mediensystem unterschiedliche Positionen abgebildet werden, hat jeder die Chance, zu Wort zu kommen – sofern seine Ansichten den rechtlich zulässigen Bereich nicht verlassen und diese Ansichten auch einigermassen zivilisiert geäussert werden.
Zu grosse Machtfülle
Doch in den sozialen Medien ist das anders. Autor Cory Doctorow hat das in der Folge Is online censorship going too far? des hier besprochenen Podcasts «The Inquiry» der BBC auf den Punkt gebracht: Das Problem liegt nicht darin, dass die grossen Plattformen moderierend eingreifen – schwierig ist vielmehr, dass es einige wenige Plattformen sind, die überhaupt eine derartige globale Macht haben.
Diese Ansicht teile ich. Nehmen wir mal an, dass jemand ungerechtfertigterweise bei Facebook, Twitter und Youtube rausfliegt. Er kann dann natürlich eine eigene Plattform starten. Doch wenn es Amazon oder einem der anderen Infrastrukturdienstleister sein Tun nicht gefällt und ihm wie im Fall von Parler den Zugang zu den Web Services abdreht, dann wird es schwierig bis unmöglich, noch Gehör zu finden.
Das ist eine Gefahr für die digitale Meinungsfreiheit, auch wenn bislang nur rechte und ultrarechte Kreise die Macht der Tech-Konzerne zu spüren bekommen haben. Aber dass ein paar wenige Leute im Silicon Valley die grossen Gatekeeper sind, das kann uns nicht recht sein.
Im Nerdfunk Meinungsfreiheit versus Hetze und Hass haben wir über die Idee diskutiert, dass sogenannte Plattformräte darüber entscheiden könnten, wo die roten Linien verlaufen. Die würden ähnlich wie die Aufsicht bei öffentlich-rechtlichen Medien operieren. Bei der SRG kann man als Vereinsmitglied Einfluss nehmen. Mir ist zwar nicht wirklich klar, wie gross dieser Einfluss ist. Aber im Fall der sozialen Medien liesse sich das so regeln, dass der Plattformrat über die Community-Regeln bestimmt und deren Anwendung überwacht.
Ein gepflegterer Umgangston
Die Logistik eines solchen Unterfangens wäre natürlich eine ganz andere Sache. Mir ist längst nicht klar, wie man das würde organisieren wollen. Daher ist es vielleicht in der Tat einfacher, Monopole und Oligopole bei den sozialen Medien zu verhindern.
Eine lebendigere Landschaft an sozialen Medien wäre der Diskussionskultur förderlich. Denn wir wissen von Netflix‘ Dokudrama Das Dilemma mit den sozialen Medien, wie Facebook und Twitter auf Stunk getrimmt sind, weil sie damit am meisten Werbeeinnahmen generieren. Wenn sich parallel dazu Plattformen etablieren könnten, die von den Nutzern getragen werden, würde sich sicher auch der Umgangston irgendwann wieder normalisieren.
Beitragsbild: Trump auf Twitter – Symbolbild (Brian Wangenheim, Unsplash-Lizenz).
#Facebook #JackDorsey #Longread #SozialeMedien #Twitter
Apple-App Store: “Beipackzettel” zeigt, welche Daten Facebook sammelt
… oder “Ich habe doch nichts zu verbergen”
Seit einiger Zeit hat Apple im App Store auf dem Mac, iPhones und iPads einen “Beipackzettel” Apple eingeführt. App-Entwickler sollen auf diesen “Privacy Labels” offen legen, welche Daten zu welchem Zweck gesammelt werden und wie Anwender und Anwenderinnen getrackt werden. Hier die Daten vom Facebook Messenger, von WhatsApp, dem Signal Messenger und Threads im Vergleich:
Facebook Messenger Signal Messenger WhatsApp Threema MessengerDie Screenshots sprechen für sich. Man kann sich durch Klick auf die Angaben noch weitere Details einblenden lassen. Wofür werden welche Daten verwendet. Das Beispiel WhatsApp:
Besonders interessant: Drittanbieter-Werbung auf Basis des Standorts Analyse, was mag das sein? … und noch weitere NutzungAber wie sagen viele Bekannte so schön: Ich hab ja nichts zu verbergen, oder? Die Datensammelwut des Meta-Konzerns kann nicht besser – oder schlimmer – dokumentiert werden. Der Facebook Messenger sammelt und verwertet übrigens noch umfangreicher Daten.
Ich kann nur jedem empfehlen, sich ebenfalls einmal die Datenschutz-Angaben für Programme wie Facebook, für LinkedIn oder Xing anzuschauen. Es ist aus meiner Sicht ein wahrer Augenöffner. Und ich sehe es wie Jörg Schieb: “Genau so sollte es meiner Ansicht nach in allen App-Stores sein. Der Gesetzgeber sollte eine derartige Transparenz (gerne noch weitergehend) einfach vorschreiben.”
Und nicht nur Facebook schaltet Anzeigen und tobt! Werbenetzwerke, Targeting-Firmen und Anbieter von Tracking-Technologie sähen ihr Geschäftsmodell in Gefahr, so die Süddeutsche Zeitung. Und auch manche:r Softwarentwickler:in, die über Facebook-Buttons und Code Nutzerdaten sammeln und verwertem. wird unruhig. Kein Wunder, dass Verlage und und der Werbebranche protestierten. Um es klar zu stellen: Apple ist kein Unschuldslämmle, im Gegenteil, hat aber in dieser Frage meine volle Sympathie.
Dies ist eine Aktualisierung meines Beitrags vom 28. Dezember 2020.
#Apple #AppStore #Datenschutz #Facebook

Mein Corona-«skeptischer» Freund hat mal wieder auf Facebook gepostet
Was muss man eigentlich von linth24.ch halten? Das habe ich mich letzte Woche gefragt, nachdem einer meiner Facebook-Freunde einen Link gepostet hat, der Zweifel an der redaktionellen Kompetenz dieses Online-Mediums aufwirft.
Ein Leserbrief, den die Redaktion sogar mit einer Illustration gewürdigt hat.Der Beitrag «Aus Angst vor dem Tod aufs Leben verzichten» stammt von einem Leser. Er wird in der Spitzmarke als Leserbrief gekennzeichnet und im Lead entsprechend eingeführt.
Darüber hinaus gibt es keinerlei Einbettung. Das widerspricht meiner Erwartung als Mediennutzer. Denn bei einem klassischen Medium erscheinen Leserbriefe in einem eigenen redaktionellen Gefäss. Sie werden mit anderen Einsendungen gebündelt veröffentlicht und decken im Idealfall das ganze Spektrum der Lesermeinungen ab.
Die Einsendung von Leser Jürg Rückmar steht aber für sich und liest sich wie ein normaler redaktioneller Beitrag. Das lässt nur den Schluss zu, dass die Redaktion von «Linth24» voll und ganz hinter den Aussagen steht. Würde sie es nicht tun, hätte sie am Ende die für Gastbeiträge gerne verwendete Floskel angehängt: «Die Meinung des Autors muss sich nicht mit derjenigen der Redaktion decken.»
Darum lässt sich an dieser Stelle schon eine Feststellung treffen: Entweder beherrschen die Redaktoren bei «Linth24» ihr Handwerk nicht. Oder aber, sie schicken ihre Leser vor, um Meinungen zu verbreiten, bei denen sich kein Mitarbeiter getrauen würde, sie mit seinem Namen zu zeichnen.
Von A bis Z absurd
Denn was Leser Jürg Rückmar in seinem Text schreibt, ist an Absurdität nur schwer zu überbieten. Er fragt: «Warum dürfen wir nicht an Corona sterben? – Täglich sterben Menschen an Herzinfarkt, Krebs, Diabetes oder grippalen Infekten, an Alkoholismus, an unfallbedingten Verletzungen, an Drogen, Selbstmord, Depression, Gewaltverbrechen, Hunger und Durst. Doch ausgerechnet am Corona-Virus darf niemand sterben!»
Diese Argumentation ist so abwegig, dass sie keine Antwort verdient. Aber weil ich der Ansicht bin, dass man Unsinn am besten mit Sachlichkeit bekämpft, hier trotzdem ein rationaler Einwand:
Die Schweiz hat 2018 fast 82 Milliarden Franken für das Gesundheitswesen ausgegeben. Corona ist nicht die erste Krankheit, die in diesem Land bekämpft wird. Auch gegen Herzinfarkt, Krebs, Diabetes, grippale Infekte, Alkoholismus, Unfallverletzungen tun wir einiges. Wir versuchen, Drogenkonsumenten und psychisch Kranken zu helfen. Wir lassen Gewaltverbrechen nicht einfach geschehen.
Und wir sind nicht so schlecht darin zu verhindern, dass jemand in der Schweiz an Hunger und Durst sterben muss. Wir sind nicht immer erfolgreich. Aber das heisst nicht, dass wir es nicht probieren.
Und was den Hunger und den Durst angeht, darf man geteilter Ansicht sein, ob unsere Anstrengungen global gesehen ausreichen. Aber das ist eine andere Frage.
«Aus Angst vor dem Tod das Leben ausblenden»
Leser Jürg Rückmar erklärt, wir würden aus Angst vor dem Tod diesen aus unserem Leben ausblenden, und er fährt in seiner Argumentation fort: «Doch auf einmal ist der Tod wieder allgegenwärtig. Mit erschütternden Bildern wird er an uns herangetragen. Damit können wir nicht umgehen. Wir isolieren uns, verschanzen uns hinter Masken, verdächtigen jeden, der uns begegnet, denn er könnte den Tod zu uns bringen. Kinder sind nun eine Gefahr, alte Menschen bleiben isoliert, bis sie sterben. Um dieser Angst, der Konfrontation mit dem Thema Tod scheinbar zu entrinnen zu können, lassen wir alles über uns ergehen.»
Diese Behauptung ist genauso abwegig. Wir tragen die Masken nicht aus Angst vor dem Tod, sondern um keine Viren zu verbreiten. Die Masken sind ein Schutz für den Fall, dass wir uns infiziert haben und bereits ansteckend sein könnten, das aber wegen der langen Inkubationszeit selbst noch nicht bemerkt haben. Das ist eine reale Massnahme gegen eine echte Gefahr. Und nicht bloss Ausdruck unserer Unfähigkeit, uns dem Tod zu stellen.
Man kann die Widersprüchlichkeit des Beitrags auch aufzeigen, indem man darauf hinweist, dass der Autor im Titel nicht aufs Leben verzichten, im Lauftext aber an Corona sterben können will.
Ich habe meinen Facebook-Freund, der diesen Beitrag gepostet hat, darauf angesprochen, dass niemand wegen der Corona-Schutzmassnahmen «aufs Leben verzichten» müsse. Und auch wenn ich es kaum glauben kann, dass man eine solche Selbstverständlichkeit überhaupt aussprechen muss, so habe ich es trotzdem getan:
Eine Maske zu tragen, ist eine kleine Unannehmlichkeit, die jeder vernünftige Mensch klaglos hinnimmt – weil es ein winziger Preis dafür ist, dass wir nicht zum Überträger einer Krankheit werden, die einen anderen Menschen für lange Zeit schädigen oder sogar töten kann.
Diese Jammerei bringt niemandem etwas
Und ich habe meinem Facebook-Freund deutlich gesagt, dass ich es sinnlos finde, wenn er solche Beiträge postet. Wir müssen diese Masken jetzt tragen. Deswegen zu jammern, bringt niemandem etwas.
Die Antwort meines Facebook-Freundes war bezeichnend: «Es ist gar kein Gejammer, sondern einfach ein erweiterter Blick auf Gedanken Andersdenkender. Und dieser hat noch niemandem geschadet.»
Die Argumentation meines Facebook-Freundes kennt man aus den Kreisen der Verschwörungstheoretiker und -mythiker: «Wir erweitern den Horizont, stellen Fragen – und leisten damit Denkanstösse.» Die implizite Aussage ist, dass niemand etwas gegen solche Denkanstösse haben kann, weil man sich sonst dem Denken gänzlich verweigern würde.
Aber gerade dieses Beispiel zeigt, wie falsch diese Argumentation ist. Es ist möglich, dass dieser Beitrag jemanden darin bestärkt, keine Maske zu tragen. Diese Person, die sich nun der Maskenpflicht verweigert, kann im Fall einer eigenen Infektion Leute anstecken, die mit der Maske nicht angesteckt worden wäre. Das sorgt für eine weitere Verbreitung des Virus und allenfalls auch zu zusätzlichen, schweren Krankheitsverläufen oder Todesfällen.
Und ja, jeder, der keine Maske trägt, muss das für sich selbst verantworten. Doch ich verlange von meinem Facebook-Freund und auch von Medien wie «Linth24», die solche Meinungen verbreiten, eine klare Stellungnahme. Sie müssen das Risiko explizit mittragen und dürfen sich nicht hinter Formulierungen wie «ein erweiterter Blick hätte noch niemandem geschadet» verschanzen.
Was ist eigentlich von Linth24 zu halten?
Damit sind wir zurück bei der Ausgangsfrage: Was muss man von «Linth24» halten? Nimmt dieses Online-Medium seine Verantwortung wahr?
Bei persoenlich.com lese ich, dass seit März 2020 Sibylle Marti Chefredaktorin ist. Sie war beim SRF Redaktionsleiterin und Produzentin und müsste das Handwerk daher beherrschen. Auch ihren Vorgänger Mario Aldrovandi kenne ich vom Radio und habe ihn dort als verlässliche Stimme kennengelernt. Vielleicht ist es nur ein Ausrutscher?
Das kommt heraus, wenn «Linth24» etwas abschreibt, das der «Blick» aus dem «Wall Street Journal» abgeschrieben hat.Leider nicht. Der gleiche Facebook-Freund hat schon vor einiger Zeit den Beitrag Wall Street Journal: «Massnahmen tödlicher als das Virus» gepostet. Die Aussage im Lead doppelt nach: «Es würden mehr Menschen wegen der Corona-Massnahmen als wegen des Virus sterben.»
Bei diesem Beitrag fällt auf, dass «Linth24» sich noch nicht einmal die Mühe gemacht hat, den Originalbeitrag zu lesen und zu zitieren, sondern beim «Blick» abgeschrieben hat. Das so nichts Vernünftiges herauskommt, liegt auf der Hand.
Eine tendenziöse Zusammenfassung
So, wie «Linth24» den WSJ-Bericht zusammenfasst, muss man unweigerlich zum Schluss kommen, dass die Massnahmen kontraproduktiv waren und sind. Doch das ist nicht, was im Originalbeitrag steht. Der Titel lautet Death Toll From Covid-19 Pandemic Extends Far Beyond Virus Victims. Das besagt, dass das Virus nicht nur direkt, sondern auch indirekt Todesopfer fordert; beispielsweise durch verschobene Operationen oder Herzattacken.
Es wird aber auch erwähnt, dass die Massnahmen auch Todesfälle in anderen Bereichen verhindert haben und dass man eine endgültige Bewertung wohl erst in Jahren wird treffen können. Und das geht aus dem Text hervor – auch wenn man es noch klarer hätte ausdrücken dürfen: Ohne die Massnahmen hätte das Virus viel mehr direkte Todesopfer gefordert. Aber natürlich wären die Kollateralschäden bei überfüllten Krankenhäusern ebenfalls noch viel grösser gewesen.
Darum ist die implizite Botschaft von «Linth24» falsch und der Beitrag in dieser undifferenzierten Form verantwortungslos. Und ja, auch der «Blick» bekleckert sich mit seiner Zusammenfassung nicht mit Ruhm. Sie ist oberflächlich, sensationslüstern und reines Clickbaiting.
Fazit: Was dieses Online-Medium hier tut, ist schlechtes Handwerk. Das ist in normalen Zeiten dem Ruf des Journalismus nicht förderlich. Doch während einer Pandemie ist es fatal – vor allem, wenn man sich eigentlich in der seriösen, unideologischen Ecke positionieren möchte.
Solche Schludrigkeiten sind nicht akzeptabel
Tatsächlich: Im Vergleich ist der Umgang mit den «alternativen» oder den weit an den Rändern positionierten Medien einfacher. Die kann und darf man ausgrenzen. Doch ein Regionalmedium wie «Linth24», das bei vielen anderen Themen (wahrscheinlich) gute Arbeit leistet, ist das nicht möglich.
Darum darf man sich auch als kleine Onlineplattform Schludrigkeiten wie diese beiden Artikel nicht erlauben. Und wir Nutzer von sozialen Medien müssen Beiträge kritisch prüfen, egal aus welcher Quelle sie stammen.
Beitragsbild: Kein Drama – wirklich nicht! (Anna Shvets, Pexels-Lizenz)
#Corona #Facebook #FakenewsDeepfakes #Medienschelte #SozialeMedien
Heute kein Covid-19. Heute kein Trump.
Seit Ende letzten Jahres gibt es die Login-Allianz. Sie soll die Nutzer von Schweizer Newssites dazu bringen, sich zu registrieren, um die Angebote zu nutzen. Tamedia, Ringier, CH Media und NZZ sind beteiligt, und auch wenn es wegen Corona in letzter Zeit still um dieses Unternehmen geworden ist, soll es weitergehen.
In der «Werbewoche» war Ende Juni zu lesen, dass das Single Sign-on 2021 kommen soll. Single Sign-on bedeutet, dass sich der Nutzer nur einmal registrieren muss, um sich bei allen beteiligten Titeln einloggen zu können. Derzeit sind es rund 30 Medienmarken, die zur Allianz gehören.
Mit der Einführung des Universal-Logins wird die Registrierung nicht mehr freiwillig sein, sondern obligatorisch. Und auch SRF will daran teilnehmen; Ende 2020 soll dort die Amneldemaske Einzug halten.
Für die Idee hinter der Login-Allianz habe ich ein gewisses Verständnis: Es ist die Einsicht, dass man die Mediennutzern die Gratismentalität nur dann abgewöhnt, wenn die grossen Medienhäuser gemeinsam auftreten und gewisse Schranken vor die Inhalte setzen. Auch für das Interesse an Nutzerdaten habe ich absatzweise Verständnis. Und ich finde es besser, wenn man dieses Interesse über das Login klar deklariert, statt mittels versteckter Tracking-Methoden hinter dem Rücken Nutzer möglichst viele Daten zu sammeln.
Umsetzung missraten
Die Umsetzung der Login-Allianz halte ich indes für missraten. Erstens hätte das Single-Sign-on gleich beim Start zur Verfügung stehen müssen: Das hätte den Nutzern den Einstieg erleichtert. Und es würde jetzt nicht dazu führen, dass man die separaten Nutzerkonten zusammenführen muss.
Zweitens halte ich die Salamitaktik – erst freiwillig, dann obligatorisch – für schlecht. Es erhöht das Vertrauen nicht, wenn man als Nutzer das Gefühl hat, dass die Daumenschrauben kontinuierlich angezogen werden. Da fragt man sich unweigerlich, was als Nächstes kommt. Registierung nur mit bestätigter Identität oder mit hinterlegtem Zahlungsmittel?
Und schliesslich müsste man den Nutzern einen Mehrwert für ihre Anmeldung geben. Und zwar einen echten Mehrwert, nicht bloss die Möglichkeit, ein paar Abo-Plus-Artikel gratis zu lesen oder an einer Verlosung teilzunehmen.
Eine naheliegende Funktion, für die sich sicherlich viele Leute anmelden würden, wäre die Individualisierung der gebotenen Inhalte: Die Gelegenheit, die Ressorts nach den persönlichen Vorlieben zu sortieren. Oder, mir persönlich noch lieber, die Chance, Uninteressantes zu blockieren. Also, was mich angeht, kein Sport, keine Promi-Klatsch, kein Bachelorette-Bullshit.
Unliebsame Themen ausblenden
Sinnvoll wäre sicherlich auch die Möglichkeit, gewisse Stichworte zu blockieren – vielleicht sogar dynamisch. Grundsätzlich bin ich interessiert, was sich an der Corona-Front tut. Doch es gibt die Momente, wo mir die Pandemie zum Hals heraushängt und ich nichts davon lesen mag. Genauso geht es mir mit dem amerikanischen Präsidenten. Da wäre es schön, einen Schalter umlegen zu können, der besagt: Heute kein Covid-19. Heute kein Trump.
Ich habe mich nun gefragt, ob man diesen Effekt auch ohne entsprechende Filterfunktion bei den Newssites erzielen kann. Gibt es Browsererweiterungen, die entsprechende Dinge ausfiltern?
Die Erkenntnisse einer noch laufenden Nachforschung sind bisher folgende: Es gibt Ansätze, aber befriedigend sind sie nicht.
Zwei Themenblockierer – aber nur für den Desktop
Die beiden Lösungen habe ich im Testbetrieb – und beide funktionieren leider nur am Desktop, nicht aber auf den mobilen Plattformen:
Social Fixer. Das ist eine Erweiterung für Chrome und Firefox, die sich um Facebook kümmert. Sie tut eine ganze Reihe von Dingen: Entfernt gesponsorte Posts, schaltet automatisch von der algorithmisch gewichteten Timeline auf die richtige, chronologische Zeitleiste um, informiert den Nutzer darüber, wer ihn gerade entfreundet hat, und vieles mehr. Es ist beachtlich, was diese Erweiterung alles tut.
[caption id=“attachment_9249″ align=“alignleft“ width=“300″] Social Fixer hilft, dass man beim Facebook-Klicken keinen unerwünschten Themen begegnet.[/caption]
In den Einstellungen – die man über ein Schraubenschlüssel-Symbol in den Faceboook-Farben rechts oben aktiviert – gibt es die Option Hide posts. Dort erfasst man die Themen, die man nicht sehen will, als Stichworte. Standardmässig wird anstelle des ausgeblendeten Beitrags eine Meldung angezeigt, die wahlweise anzeigt, welches Stichwort zur Filterung geführt hat. Wenn man komplett in Ruhe gelassen werden möchte, kann man aber auch darauf verzichten.
[caption id=“attachment_9251″ align=“alignright“ width=“300″] Die vorgefertigten Filter in Social Fixer.[/caption]
Unter Filters gibt es auch vorgefertigte Löschoptionen – zu Covid-19, der US-Wahl 2020, Facebook-Spielen, Erinnerungen, Personenvorschläge und einiges mehr.
Gut, aber nicht sehr zuverlässig
Fazit dazu: Eine gute Idee, aber ich bin nicht überzeugt, dass Social Fixer zuverlässig funktioniert. Ich habe schon Posts gesehen, die eigentlich hätten eliminiert werden müssen. Das könnte ein Problem der deutschen Sprachversion sein. Denkbar ist auch das neue Facebook-Design, das ich schon im Einsatz habe. Trotzdem: Einen Versuch ist es auf alle Fälle wert!
Soothe. Eine Erweiterung für Chrome, die Hass und Belästigung zum Verschwinden bringen will. Nach der Installation kann aus den Kategorien Homophobie, Rassismus, Sexismus, Transphobie, Gewalt und sexualisierte Gewalt angeben, was man nicht sehen will.
[caption id=“attachment_9250″ align=“alignleft“ width=“268″] Soothe will den Hass besiegen.[/caption]
Ein Test hier hat sie als recht effektiv bezeichnet, doch bei meinen Probelauf hat auch diese Erweiterung nicht so richtig funktioniert – was wahrscheinlich wiederum daran liegt, dass die Erweiterung auf den englischen Sprachraum ausgelegt ist.
Und Soothe ist auch nicht das, was ich möchte: Ich bin durchaus gewillt, mich mit den Widrigkeiten der Online-Welt auseinanderzusetzen. Ich habe kein Interesse an einer gesäuberten Version der Wirklichkeit. Es geht mir vielmehr darum, wann ich mich mit gewissen Themen beschäftige und wann nicht. Und dafür scheint es noch keine brauchbare Lösung zu geben. Falls aber jemand noch eine brauchbare Lösung dafür kennt: Gerne ab damit in die Kommentare!
Beitragsbild: Yoann Boyer, Unsplash-Lizenz
#Browser #Facebook #Firefox #SozialeMedien
Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen
Verschwörungstheoretiker und ihr toxischer Output sind ein reales Phänomen. Damit habe ich mich abgefunden und an dieser Stelle schon diverse Male auseinandergesetzt.
Was mich betrübt und auch sauer macht, ist eine Beobachtung, die ich in machen musste, als es mit der Coronakrise ernster wurden. Es zeigt sich nämlich, dass die Thesen und Behauptungen in Krisenzeiten infektiöser sind als in einer normalen Situation. Das war während der Nobillag-Abstimmung zu beobachten. (Wobei man sich natürlich fragen darf, ob aus heutiger Sicht diese Periode das Attribut «Krise» verdient.) Und es ist wird in diesen Tagen sehr deutlich.
In meinem Social-Media-Umfeld ist die Situation typischerweise so: Es sind die einschlägig bekannten Figuren, die Fragwürdiges aus der Ecke der Aluhutträger in Umlauf bringen. Man kennt sie, schaltet sie stumm, wenn sie einem zu sehr auf die Nerven gehen – aber es sieht so aus, als ob die Szene in ihrem eigenen Saft vor sich hin köcheln würde.
Warum teilen vernünftige Leute Videos von Verschwörungsmystikern?
In der letzten Zeit hat mir Facebook mehrere Posts in meine Timeline gespült, die von Leuten stammen, die ich erstens alle persönlich kenne. Und die ich zweitens alle als vernünftige, nüchterne Personen einschätze. Drittens ging es immer um Videos von KenFM.
Das wirft Fragen auf. Ist es so, dass ich mich auf meine Einschätzung, wer eine «vernünftige, nüchterne Personen» ist, nicht allzu sehr verlassen sollte? Oder geht bei manchen Leuten die Vernunft in während einer Krise einfach flöten? Oder sind diese Verschwörungstheoretiker einfach besonders gut darin, aus der Krise Kapital zu schlagen?
Letzteres wäre die erschreckendste Variante. Denn während man bei den ersten beiden Erklärungsversuchen vermuten darf, dass sich nach der Krise alles wieder zurechtrüttelt, müsste man im dritten Fall befürchten, dass die KenFMs dieses Planeten in der Lage sind, ihre Fanbase mit jeder Ausnahmesituation auszubauen.
Nach einer Diskussion mit einem Facebook-Freund habe ich das gepostete Video angeklickt. (Das ich hier allein deswegen verlinke, weil es inzwischen vom Uploader selbst gelöscht worden ist.) Es hatte eine Länge von gut zwanzig Minuten. Wenig, denn typischerweise dauern solche verschwörungstheoretischen Machwerke immer so lang, dass allein durch die Dauer die Widerstandskraft erlahmt. Doch auch das war unerträglich lang. Zwei Gründe, weswegen dieses «Werk» absolut unverdaulich ist:
Erstens inhaltlich
Es ist bzw. war ein wirres Sammelsurium von einzelnen Tatbeständen, die nüchtern betrachtet wenig bis nichts miteinander zu tun haben – in der Summe aber die altbekannte Botschaft der Verschwörungstheoretiker beförderten: Nichts ist so, wie man uns weismachen will. Und alle stecken unter einer Decke: Politik, Behörden, Mainstream-Medien.
Wie sich die Videos gegen Kritik immunisieren
Diese Methode macht es fast unmöglich, das Video zu widerlegen: Man müsste jeden einzelnen der behaupteten Tatbestände überprüfen: Ist er wahr oder erfunden? Falls er wahr ist, stimmt der Kontext, in dem er präsentiert wird? Und schliesslich die schwierigste Aufgabe: Ist der Gesamteindruck realistisch oder ein Zerrbild?
Das ist wahnsinnig aufwändig. Und auch wenn ich empfehle, es nicht zu tun, weil es nichts bringt, habe ich mir eines der eher einfachen Beispiele vorgeknöpft: Nämlich die Behauptung, im Moment würden «alle Toten Corona zugerechnet». Wenn man das ohne Kontext hört, liegt eine Vermutung nahe – nämlich, dass auch der Velofahrer mitgezählt wird, der in den Graben gefahren und sich den Hals gebrochen hat. Das suggeriert, dass die Zahl massiv überhöht und das Virus nicht so schlimm ist.
[caption id=“attachment_8113″ align=“alignleft“ width=“840″] Das Video ist inzwischen verschwunden. Und nein, nicht wie die Verschwörungstheoretiker glauben, wegen staatlicher Zensur. Sondern, weil es der Uploader selbst gelöscht hat.[/caption]
Schaut man sich die Aussage genauer an, dann wird klar, dass mit der Aussage gemeint ist, dass jede Person gezählt wird, die Covid-19-positiv getestet wurde und daraufhin stirbt. Es wird nicht unterschieden, ob das Virus die Todesursache war oder eine allfällige Vorerkrankung.
Tot ist tot
Daraus ergibt sich ein ganz anderes Bild: Erstens dürfte es einleuchten, dass diese Unterscheidung schwierig bis unmöglich zu treffen ist. Und ist völlig klar, dass sie für die aktuelle Notsituation völlig irrelevant ist. Tot ist tot, egal, ob das Virus nun allein schuld, zur Hauptsache schuld oder «bloss mitbeteiligt» war.
Zweitens formal
Der Inhalt ist Pipifax, wenn man sich die Machart des Videos ansieht. Denn Ken Jebsen transportiert weniger Informationen als vielmehr Gefühle und eine Stimmung: Er trägt eine Schutzmaske, lehnt sich auf die Kamera zu und schwankt bei seiner Darbietung zwischen Flüstern und normaler Tonlage. Er gibt den gehetzten Whistleblower, der jederzeit von den Verschwörern, gegen die er antritt, zur Strecke gebracht werden könnte.
Gleichzeitig ist die Maske natürlich ironisch gemeint – denn wer nicht an die Gefährlichkeit des Virus glaubt, sondern postuliert, dass das Virus von «den Eliten» dazu benutzt wird, die Freiheiten der Menschen zu beschneiden, der benötigt keine Maske. Er macht sich damit lustig über die Leute, die die Bedrohung ernst nehmen und vielleicht sogar um ihr Leben fürchten. Das sind in der Diktion der Verschwörungstheoretiker die Sheeple, die dummen, unaufgeklärten Massen, die es letztlich nicht besser verdient haben, als unter der Knute zu leben.
Eine Inszenierung
Das ist einerseits raffiniert: Denn es ist eine Inszenierung, die keinen Hehl daraus macht, eine Inszenierung zu sein. Andererseits ist es auch derartig arrogant, überheblich und anmassend, dass ich es nicht geschafft habe, das Video zu Ende zu sehen – und ich mich sehr beherrschen musste, meinem Freund nicht ein paar hässliche Worte an den Kopf zu werfen, weil er mir dieses Video auf Facebook zugemutet hatte.
Fazit: Wenn ihr dieser Tage tatsächlich in Versuchung kommen solltet, ein solches Video für bare Münze zu nehmen, dann macht folgendes Experiment: Löst euch ganz von den Inhalten und konzentriert euch ganz auf die Machart. Schaut euch Inszenierung und Präsentation an, die Methode und die Vermittlungsart. Und dann fragt euch: Ist das die Art und Weise, wie jemand vorgehen würde, der die Fakten auf seiner Seite hat – oder sieht man hier nicht eher die Instrumente im Einsatz, die ein Manipulator verwenden würde?
Auch die Medien … egal!
Und ja, ich weiss: Auch die richtigen Medien verwenden oft Stilmittel, über die man sich ernsthaft empören könnte. Aber das ist eine andere Diskussion, die an anderer Stelle geführt werden muss – und ein klassischer Whataboutism. Es geht hier um dieses eine Video, das man teilen könnte. Oder aber wahrscheinlich besser als untauglich und schädlich einstufen und auf Youtube mit einem Daumen nach unten bestrafen sollte.
Beitragsbild: Nadine Shaabana, Unsplash-Lizenz
#Corona #Facebook #FakenewsDeepfakes #SozialeMedien #Verschwörungstheoretiker
Mit Format bei Facebook posten
Facebook nimmt in Postings nur reinen Text entgegen. Der Trick, die zum Beispiel bei Facebooks Messenger WhatsApp benutzt werden können – Text zwischen *Doppelpunkten* wird fett angezeigt, _Unterstriche_ ergeben kursiv – funktioniert nicht. Es gibt aber einen Trick: Statt eines normalen Beitrags erstellt man eine Notiz.
Das Dumme an der Sache: Es gibt die Notizen nur in der Webversion von Facebook. In der mobilen App stehen sie nicht zur Auswahl. Man kann sich aber damit behelfen, dass man die mobile Version von Facebook im Browser aufruft. Das geht am schnellsten über die Adresse m.facebook.com/notes. Klickt man auf Meine Notizen, sieht man, falls vorhanden, die eigenen Notizen und kann über Notiz schreiben auch einen neuen Post verfassen.
Wie gesagt: Im Browser an einem Computer ist die Sache komfortabler: Dort klickt man auf sein eigenes Bild, um zur Profilseite zu wechseln. Dort findet sich im Menü Mehr auch der Punkt Notizen.
[caption id=“attachment_67″ align=“alignleft“ width=“300″] Ja, bei Facebook kann man auch bloggen.[/caption]
Es erscheint dann ein annähernd bildschirmfüllender Editor, der mehr an die Eingabemaske einer Blogsoftware wie WordPress als an das normale Eingabefeld für einen neuen Facebook-Beitrag erinnert. Es gibt hier die Werkzeuge, die man für längere Beiträge braucht: Nebst den Formatierungen kann man auch mit Bildern und eingebetteten Elementen arbeiten.
Den fertigen Beitrag veröffentlicht man wie ein normales Posting, wobei man wie üblich bei Wer soll das sehen? angeben darf, ob er öffentlich, nur für die Freunde oder für ausgewählte Freunde erscheint. Falls man später daran weiterarbeiten will, kann man ihn über die Schaltfläche Speichern (am unteren Rand) auch erst einmal als Entwurf ablegen.
Fazit: Eine praktische, wenig bekannte Methode für längere Posts bei Facebook. Meine Empfehlung wäre trotzdem, für solche Zwecke ein eigenes Blog zu betreiben. Einfach, weil das besser fürs freie und offene Internet ist.
Beitragsbild: Kaboompics.com/Pexels, Pexels-Lizenz
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