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09.12.2025 07:45
2025 (@2025@extradienst.net)

Verheerende Risiken

Schweiz: Palantir-Software hat verheerende Risiken

Nach Risikoprüfung des Einsatzes von Palantir-Software in der Schweiz bekam der US-Konzern eine Absage, trotz jahrelanger Hofierung von Behörden und Armee. Den Eidgenossen sind die Risiken zu groß. Da drängt sich die Frage auf, warum die Palantir-Software für deutsche Polizeien gut genug sein soll. Innenminister Dobrindt wird sie beantworten müssen.

Der Chef von Palantir, Alex Karp, residiert auch in einem Anwesen in der Schweiz. Der US-Tech-Konzern expandiert sein Geschäft mit Analysesoftware schon mehrere Jahre nach Europa. Was liegt da näher, als auch den Eidgenossen die Palantir-Systeme anzudienen? Genau das versuchte das militärnahe Unternehmen über Jahre – aber biss sich die Zähne aus.

Das berichtet das Magazin „Republik“ aus der Schweiz. Die Journalisten haben mit Hilfe von 59 Anfragen nach dem Öffentlichkeits­gesetz in einer lesenswerten Analyse nachvollzogen, wie sich der Konzern an öffentliche Stellen ranwanzte, um seine Software bei den Schweizer Bundes­behörden und beim Militär an den Mann zu bringen. Der Palantir-CEO und Milliardär Karp gab sich höchstselbst die Ehre und empfing den damaligen Bundeskanzler Walter Thurnherr.

Die Analyse enthält auch einen 20-seitigen internen Evaluationsbericht der Armee. Darin werden Vorzüge, aber auch Risiken eines Palantir-Einsatzes beschrieben, die letztlich zur Ablehnung einer Kooperation mit dem Konzern führten. Die Militärexperten kommen zu dem Schluss, dass ein Abfluss von Daten aus den Palantir-Systemen technisch nicht verhindert werden könne.

Das jedoch lässt die von polizeilichen Palantir-Nutzern in Deutschland gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung, ein Abfluss der polizeiinternen Daten sei technisch gar nicht möglich, unglaubwürdig erscheinen. Sie dürfte sich eher auf bloße Zusicherungen des US-Konzerns, nicht aber auf technische Fakten stützen. Denn die Software ist proprietär, weswegen technische Einblicke darin nur begrenzt möglich sind.

Die vier deutschen Landespolizeien und deren Innenminister, die Verträge mit Palantir eingegangen sind, wirken einmal mehr ignorant gegenüber diesen ernsten Risiken, die eine Kooperation mit dem Konzern mit sich bringen: Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern und nun auch Baden-Württemberg.

Daumen runter für Palantir

Palantir-Software, wie sie auch von deutschen Polizeien eingesetzt wird, verbindet heterogene Datenbanken und analysiert Verbindungen von Datenpunkten oder Mustern darin. Zuvor fragmentierte Daten werden also zusammengeführt. Damit werden beispielsweise Verbindungen von Menschen sichtbar oder geographische Bewegungen verfolgbar.

Im Evaluationsbericht heißt es zu den Risiken für die in die Palantir-Systeme eingepflegten Daten:

Palantir ist ein Unternehmen mit Sitz in den USA, bei dem die Möglichkeit besteht, dass sensible Daten durch die amerikanische Regierung und Geheim­dienste eingesehen werden können.

Die Risikoeinschätzung der Militärs weist auf weitere Problemfelder, die von den polizeilichen Palantir-Vertragspartnern in Deutschland auch gern wegdiskutiert werden. Die Palantir-Software führe zu einer Abhängigkeit vom US-Anbieter, insbesondere „von externem hochqualifizierten Personal“. Ob „für die Implementierung, den Betrieb und die Wartung der Systeme dauerhaft technisches Fachpersonal von Palantir vor Ort benötigt wird“, sei unklar.

Auch drohe der Verlust der Daten­hoheit und der „nationalen Souveränität“. Das Kostenrisiko sei außerdem schwer abzuschätzen, da es keine Preislisten gebe. Das betrifft die Implementierung und Anpassung der Software und die Datenmigration, aber auch Lizenzgebühren und Wartungskosten. Man könne „genaue Beträge nur durch direkte Verhandlungen“ ermitteln.

Zudem werden die starken Eingriffe in die Privatsphäre in dem Bericht problematisiert, die durch die umfassende Daten­sammlung und -analyse entstehe. Auch die Diskriminierung spielt dabei eine Rolle, denn es könne dazu kommen, „dass bestimmte Personen aufgrund statistischer Zusammen­hänge ungewollt ins Visier geraten“.

Das Schweizer Bundesamt für Rüstung prüfte den Einsatz von Palantir-Software für ein bestimmtes Softwaresystem, das „Informatiksystem Militärischer Nachrichtendienst“. Dafür lagen vorgegebene Kriterien der Ausschreibung vor. Eines davon erfüllt das Palantir-Angebot nicht. Das Amt gibt den Journalisten aber keine Auskunft, um welches Kriterium es sich handelte. Das dazu veröffentlichte Schreiben besteht fast nur aus Schwärzungen.

Nimmt Dobrindt die Risiken in Kauf?

Die Eidgenossen entschieden sich gegen den Einsatz von Palantir-Produkten. Es war ihnen ein zu großes Risiko. Die Empfehlung lautet knapp: „Die Schweizer Armee sollte Alternativen zu Palantir in Betracht ziehen.“

Der Bericht stammt von Anfang Dezember 2024. Seither hat der 2003 gegründete US-Anbieter seine überaus engen Verbindungen zur Trump-Regierung noch intensiviert und durch Karp-Interviews medial begleitet. Die Software wird zwar in Kriegsgebieten von US-Geheimdiensten und -Militärs schon jahrelang intensiv genutzt. Doch seit dem Börsengang im Jahr 2020 wuchs Palantir zu einem der größten US-Tech-Konzerne heran.

Wenn die Risiken der Zusammenarbeit in Fragen der Datenhoheit und gar dauerhaften Abhängigkeit, der digitalen Souveränität, des Datenabflusses und bei den Grundrechtseingriffen von den Schweizern als so erheblich eingeschätzt werden, drängt sich die Frage auf, warum die deutschen Landespolizeien und Landesinnenminister zu einer anderen Einschätzung kommen. Es bleibt ihr Geheimnis.

Der deutsche Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) weigert sich bisher, diese Fakten anzuerkennen. Denn er schließt nicht aus, Palantir-Produkte bei den Polizeien des Bundes einzuführen. Sein geplantes „Sicherheitspaket“ umfasst auch die sog. automatisierte Datenanalyse, so dass auch die Polizeien des Bundes ihre Datenbanken automatisiert erschließen und auswerten könnten.

Wenn er für die polizeiliche Datenanalyse­software mit dem US-Konzern kooperieren wollte, würden Millionen Datensätze, auch von völlig unverdächtigen Menschen, diesen nun hinlänglich bekannten Risiken ausgesetzt. Aber eigentlich müsste Palantir als möglicher Vertragspartner schon wegfallen, weil er mit der vielgepriesenen „digitalen Souveränität“ nicht kompatibel ist. Denn selbst bei lockerer Auslegung von „digital souverän“ kann die proprietäre Softwarelösung des US-Konzerns nicht akzeptabel sein.

Constanze Kurz ist promovierte Informatikerin, Autorin und Herausgeberin von Büchern, zuletzt Cyberwar. Ihre Kolumne „Aus dem Maschinenraum“ erschien von 2010 bis 2019 im Feuilleton der FAZ. Sie lebt in Berlin und ist ehrenamtlich Sprecherin des Chaos Computer Clubs. Sie war Sachverständige der Enquête-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Bundestags. Sie erhielt den Toleranz-Preis für Zivilcourage und die Theodor-Heuss-Medaille. Kontakt: E-Mail (OpenPGP). Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.




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09.12.2025 06:33
kanuka (@kanuka@mastodon.social)

Geht doch! Gut zu wissen, wie sie arbeiten und dass man den Leuten von Palantir auch absagen kann. Teil 1 der Recherche, klare Leseempfehlung, nicht nur für Entscheidungsträger*innen, keine Paywall:
republik.ch/2025/12/08/wie-har




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09.12.2025 00:06
ukraine_nachrichten (@ukraine_nachrichten@mastodon.social)

«Nachrichten am 8. Dezember: Schnellbuchung, teure und unangemeldete Ausbildung für Haluschtschenkos Sohn»

ukraine-nachrichten.de/nachric




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08.12.2025 23:35
Jayson1985 (@Jayson1985@ruhr.social)

#Europa #Schweiz #Basel #Fahrplanwechsel

#SBBPasserelle #Dichtigkeit #Wasser #Nöte

Zum Fahrplanwechsel 2025 -

Neue Basler SBB-Passerelle: (noch) nicht ganz dicht:

srf.ch/news/schweiz/zum-fahrpl




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08.12.2025 20:25
didib (@didib@swiss.social)

„Der Fels“ (2024)
Photo ©️ Dietmar Bachmann
📍beim Schwarzhorn (BE)

#landscape #landscapephotography #Alps #Switzerland #travel #Landschaftsfotografie #Landschaft #Alpen #Reisen #Schweiz #Schwarzhorn #Grindelwald #rock #Felsen #Gebirge #mountainrange #mountains





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08.12.2025 19:30
BaronD (@BaronD@mastodon.social)

Wäre die Schweiz eine verlässliche Partnerin der EU, würde sie die faschistischen Umsturzpläne, die Trump und sein Regime mit Europa (also auch mit uns) vorhaben, vehement widersprechen, sich von Fascho-Plattformen wie X verabschieden und sich mindestens mit der EU austauschen.

Denn die Schweiz übernimmt 2026 den OSZE-Vorsitz.

Aber da ist Fehlanzeige.

Nein, man schleimt sich noch bei den Amis ein und will sich gegen die böse EU-Bürokratie wehren.

eda.admin.ch/eda/de/home/das-e




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08.12.2025 18:53
signalgucker (@signalgucker@qicx.net)

Hier gerade so …
An manchen Tagen sieht #Bern besser aus, wenn‘s dunkel ist! 🌧️
#schweiz





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08.12.2025 18:52
nemo (@nemo@mas.to)

🤖 In der Schweiz sorgt Palantirs Einzug für Aufsehen: Zu heikel fürs Militär, aber lukrativ für Behörden & Verwaltung. Wie viel Transparenz ist möglich – und wer profitiert wirklich? 🇨🇭🔍 Mehr dazu: wav.info/recherchen/zu-heikel- #Palantir #Schweiz #Digitalisierung #Datenschutz
Von der Schweiz kann man viel lernen ✅

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08.12.2025 17:28
signalgucker (@signalgucker@qicx.net)

Also … da verknackt die EU den Kurznachrichtendienst X auf 120 Mio und die Politiker posten weiter locker auf X?
Konsequent geht aber irgendwie anders, oder?

Aber ja, in der Schweiz wurde auch die in Betrieb genommene Mastodon-Installation wieder eingestellt, da man der Reichweitenlüge aufgesessen ist. Die aktuelle Bundespräsidentin postet jetzt wieder auf X …

#savesocial #x #twitter #elonmusk #schweiz




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08.12.2025 16:14
diebayern (@diebayern@muenchen.social)

Züge werden 2026 zwischen München und Allgäu ausgebremst diebayern.de/wirtschaft/zuege- #Bahn #SCHWABEN #Bayern #Bau #OBERBAYERN #Schweiz #Verkehr #Baden-Württemberg #München




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08.12.2025 15:50
r (@r@fed.brid.gy)

«Eine Frau mit Behinderungen hat ein zwei- bis dreimal höheres Risiko, Opfer von Gewalt zu werden»

fed.brid.gy/r/https://direkt-m





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08.12.2025 13:58
BaronD (@BaronD@mastodon.social)

Das geschieht, wenn man sich für den Nabel der Welt – oder zumindest Europas – hält:

"EU plant Hochgeschwindigkeitsnetz um die Schweiz herum".

Während unsere Ständerät*innen die durch Klimaabgaben finanzierten Subventionen eines Nachtzuges von Basel nach Malmö versenken.

So viel Unsinn kann man sich kaum ausdenken, würde es sich nicht so zutragen.

srf.ch/news/schweiz/bahnausbau




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